Am Samstagabend, dem 86. Jahrestag der Reichspogromnacht, ließen Nur Ben Shalom und sein Ensemble bei einem bewegenden Gedenkkonzert die Musik von den Nazis verfolgter jüdischer Komponisten in der voll besetzten Schöneberger Apostel-Paulus-Kirche vor rund 1.000 Zuhörern erklingen. Superintendent Michael Raddatz nahm zu Beginn des Konzerts Bezug auf die Entstehung der Lebensmelodien. Er erinnerte an die Pianistin Salomea Ochs Luft, die Großtante Nur Ben Shaloms. Sie hatte 1943 kurz vor ihrer Deportation einen Brief an ihre Familie geschrieben, wohl wissend, welches Schicksal ihr bevorstand. „Lebt wohl, lasset es Euch recht gut gehen und wenn Ihr könnt, dann nehmt einst RACHE!“, heißt es am Schluss ihres Briefes. Eine Aufforderung, die den Großneffen stets bewegte und der er auf seine Weise begegnet.
Das Ensemble – Christophe Horak, Oscar Bohórquez (beide Violine), Francesca Zappa (Viola), Claudio Bohórquez (Violoncello), Peter Riegelbauer (Kontrabass) und Michael Cohen-Weissert (Klavier) – unter der Leitung von Nur Ben Shalom erweckte am Abend des 9. November 2024 Melodien, die so lange Zeit vergessen waren, wieder zum Leben – Klänge, teils unheilvoll, teils heiter und von einer gewissen Leichtigkeit. Besonders eindrucksvoll waren die Lieder, die die israelische Sopranistin Rinnat Moriah interpretierte. Zwischen den Stücken las der Schauspieler Gunter Schoß Texte, die vom Leid der Verfolgten zeugten und von der Barbarei kündeten, die niemals vergessen werden darf.
© Lebensmelodien